Digitale Revolution

Mittelstand muss Chancen der digitalen Revolution nutzen

Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, der wird vom Markt bestraft. Die deutsche Wirtschaft steht angesichts der digitalen Revolution unter Innovationsdruck. Viel muss sich ändern, aber was muss getan werden? Wir haben über die Chancen und Nebenwirkungen der Digitalisierung des Alltags mit Harald Ruppe, Vorstandssprecher der Universum AG, gesprochen.

Herr Ruppe, das Wort Revolution verspricht Umwälzungen. Wie kann sich die deutsche Wirtschaft wappnen, bzw. darauf einstellen?

Ruppe: Lassen Sie mich dazu kurz etwas abschweifen. Die digitale Revolution bricht nicht über Nacht über uns hinein. Von der Erfindung der Dampfmaschine, der ersten Eisenbahn, bis hin zur Automatisierung von Fabriken war es ein langer Weg. Ähnlich ist es jetzt. Es ist ein Prozess ohne ein wirkliches Ende. Alle wissen oder spüren zumindest schon, dass ein neuer Tag anbricht. Aber es ist erst der frühe Morgen. Dennoch: Die Digitalisierung des Alltags wird absolut umfassend sein.

Sie sprechen das Internet der Dinge an?

Ruppe: Genau. Das so genannte Internet der Dinge ist ein ganz treffendes Schlagwort, um diese Entwicklung zu benennen. Es geht eben nicht mehr allein um die Automatisierung von Produktionsanlagen oder deren Steuerung. Deutschland gehört hier zur Weltspitze. Wir werden aber noch in dieser Generation die totale Vernetzung erleben. Die vollständige Digitalisierung des Alltags und des Berufslebens. Eine allzeit korrespondierende Verbindung von Menschen, Maschinen und den Daten der Akteure. Very Big Data und sehr viele „intelligente“ Dinge.

Klingt fast schon beängstigend…

Ruppe: Angst ist dabei der falsche Ratgeber. Abgesehen von zweifelsohne vorhandenen Risiken bei der Entwicklung von digitalen Monokulturen wie bei Amazon, Google oder im letzten Jahrzehnt in Verbindung mit Microsoft, möchte ich dennoch die Chancen der neuen wunderbaren Welt der Technik betonen. Klar ist aber auch, dass es sinnvoll ist, einen gemeinsamen europäischen Rahmen zu entwickeln. Einen fairen Wettbewerb kann ich aber erst dann auf die Beine stellen, wenn alle Marktteilnehmer nach dem gleichen Regelwerk agieren müssen. Da passt es schon ganz gut, wenn Google dort Steuern zahlt, wo das Geschäft gemacht wird und sich auch dort zu verantworten hat, wo das Geld mit den Anzeigenkunden läuft. Hier ist die Politik in der Verantwortung, sich auf EU-Ebene dafür stark zu machen.

Wir brauchen dabei Regeln für den Wettbewerb und keine Vorgaben, die Innovationen behindern. Gerade in Deutschland und Europa haben wir bisher kaum globale Software- oder Internet-Player hervorgebracht. Wir müssen höllisch aufpassen, hier nicht noch weiter den Anschluss zu verpassen. Die großen Konzerne haben das erkannt: Auch VW oder BMW ist mittlerweile klar geworden, dass man ein Stück weit Softwarekonzern sein muss in einer digitalen Welt. Ansonsten wird Google vielleicht zusammen mit Tesla Motors die Autos der Zukunft produzieren.

Deutschland ist geprägt von vielen leistungsstarken kleineren Unternehmen. Wenn die großen Karpfen im Teich diese Herausforderungen meistern können – ist das für die Kleinen nicht zu viel? 

Es ist nur dann eine Überforderung, wenn man alles macht, was man machen könnte. Und dabei nicht gut beraten ist. Es geht einfach darum, dass man das Sinnvolle und Notwendige unternimmt.

Während wir uns schon sehr daran gewöhnt haben, dass unsere Smartphones mit unserem Computer korrespondieren, wir von überall aus Zugriff haben auf das Internet und auf cloudbasierte Intra- und Extranets, befinden sich weite Teile des deutschen Mittelstands noch in einer Art vor-digitalem Dornröschenschlaf.

Das sind doch zumeist erfolgreiche Unternehmen, die nicht selten von durchaus intelligenten Menschen geführt werden?

Ruppe: Das möchte ich auch gar nicht in Abrede stellen. Natürlich können wir davon ausgehen, dass der Innovationsdruck wahrgenommen wird. Aber die Erkenntnis ist nicht zwingend gleichzusetzen mit dem Wissen, welche Werkzeuge mir dann auch zur Verfügung stehen. Wenn Sie mich etwa fragen, wie der perfekte Sonntagsbraten zuzubereiten ist, dann muss ich auch passen. Ich greife dann aber vielleicht zum Telefon und hole mir die Kompetenz bei meiner Mutter ab.

Das ist auch der springende Punkt: Hier kommt eine kompetente Beratung ins Spiel. Dabei muss individuell analysiert werden, welche Instrumente sinnvoll und realistisch zum Einsatz kommen können. Sinnvoll bedeutet: Was brauche ich wirklich und worauf kann ich verzichten. Und realistisch heißt: Passt mein Bedarf auch zu meinem Budget?

Die Universum AG ist unter anderem spezialisiert auf Intranet- und E-Learning-Tools…

Ruppe: Wir profitieren davon, dass sich sowohl bei kleineren und mittleren Unternehmen als auch in Verbänden und politischen Institutionen Stück für Stück die Bereitschaft durchsetzt, in diese digitalen und letztlich auch unverzichtbaren Werkzeuge zu investieren. Unter dem Strich lassen sich damit Kosten senken, die Produktivität steigern und interne Prozesse besser steuern.

Also brechen für Sie jetzt goldene Zeiten an?

Ruppe: So leicht ist es – wie so oft – leider nicht. Wir brauchen eine neue Kultur der Kommunikation. Ohne einen grundlegenden Bewusstseinswandel geht es oft nicht. Nicht selten müssen wir erst die ganz dicken Bretter bohren und Überzeugungsarbeit leisten. Es ist dann immer ein Stück weit befriedigend, wenn Kunden, die z.B. ein Intranet erfolgreich eingeführt haben, schon nach relativ kurzer Zeit zu dem Ergebnis kommen, das das Tool für die tägliche Arbeit eigentlich ja völlig unverzichtbar ist.

Was ist bei der Einführung eines Intranets zu beachten?

Ruppe: Es ist zum Beispiel nicht sonderlich hilfreich, wenn ein solches Tool lediglich par ordre du mufti bereitgestellt wird. Wer ein zentrales Arbeitsinstrument für die interne Kommunikation implementieren will und sich große Vorteile von einer gemeinsamen Knowledge-Base erhofft, der wird nicht umhin kommen, seine Mitarbeiter bereits in einer frühen Phase einzubinden. Oft werden einfach die Beharrungskräfte bei einem Intranet-Rollout unterschätzt. Auch der Sprung von Papier und Bleistift zur Schreibmaschine setzte zunächst einmal das Erlernen der neuen Technik voraus. Die Mitarbeiter müssen sich darauf einlassen und es muss ihnen möglichst leicht gemacht werden durch gezielte Anreize.

Wissen wird nach wie vor als Macht und als Legitimation verstanden. Mit einem Intranet gehe ich aber einen Weg, um das Wissen in einem bestimmten Sinn zu demokratisieren. Wer dann aber noch in alter Manier auf seinem Wissen sitzt wie eine Henne auf goldenen Eiern, der hat fast zwangsläufig Angst davor, dass jemand in den Stall einbricht und sie stiehlt. Diese Ängste vor Veränderungen müssen wir den Mitarbeitern nehmen. Ihnen muss klar werden, dass wir ihnen ein wunderbares Werkzeug in die Hand geben, welches ihnen die Arbeit erleichtern soll.

Welche Rolle spielt dabei der zunehmende Fachkräftemangel und die demographische Entwicklung?

Ruppe: Auch hier wird deutlich, dass ein intelligentes Wissensmanagement das Gebot der Stunde ist. Das vernetzte Wissen und die Art und Weise, wie wir mit unserem Wissen umgehen, wird eine immer bedeutendere Rolle spielen. Die Unternehmen stehen dabei auch vor der Herausforderung, einem demografischen Braindrain entgegen zu wirken. Wenn langjährige Mitarbeiter in Rente gehen, verlieren die Unternehmen wertvolles Wissen. Gerade kleinere und mittlere Betriebe sind davon betroffen, da es hier natürlich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, dass nur sehr wenige Mitarbeiter über ganz bestimmte Prozesse oder Abläufe voll im Bild sind.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das Expertengespräch erschien in der Mitgliederzeitung „ENTSCHEIDUNG“ der Jungen Union Deutschland

Erfahren Sie hier wie wir Sie bei der Einführung eines Social Intranet unterstützen.

Veröffentlicht von

Lars Bachmann

Lars Bachmann

Senior Consultant, Papa von Juna

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